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March 25, 2012
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Basel, Genom Arkologie, Frühling 2069

Obwohl die Luft trocken und sauber war, empfand Mathis Armin Iselin sie als feucht und mit Spuren von Moder durchsetzt. Es nützte hierbei auch nichts, dass er sich -zig Fach von der Reinheit der Filtereinheiten vergewissert hatte und schließlich sogar das ganze Stockwerk diesbezüglich auf Herz und Nieren hatte überprüfen lassen.
Sein Leibarzt hatte diese stets wiederkehrende Wahrnehmung schlussendlich auf einen suggestiv-mentalen Schutzreflex seiner Psyche zurückgeführt und damit die Sache als erledigt gesehen.
Aber auch mit diesem Wissen hatte er hier unten in der ‚unsichtbaren' Zone der Arche so seine liebe Mühe.
Und davon lenkten ihn auch die fünf simultan laufenden News-ARO's in der AR nicht ab.
Das mit einer nackten Brünette aufgezogenen BLICKFax-Fenster folgte ihm zu seiner Rechten, während das tiefblaue 3 Minuten Online auf der linken Seite in großen Lettern gerade über den GENOM-Shutdown des Vortages berichtete und ansonsten in regelmäßigen Abständen kurz taufrische Schlagzeilen aus der SEg oder der Stadt Basel aufschaltete.
Die Text-Feeds der Radiosender Basilisk und Gryff hingen nebeneinander über dem Kopf des vor ihm gehenden Wissenschaftlers und hoben automatisch alle Stichworte hervor, die die Arche betreffen konnten. Und obwohl er inzwischen den Begriff ‚Shutdown' nicht mehr sehen konnte, tauchte dieser in den Feeds in jedem dritten Satz auf…
Schließlich hatte er den Matrix-Auftritt der konservativen BaZ wie ein Buch aufgeschlagen vor seiner Brust.
Doch auch das nützte nichts.
Er roch den Moder förmlich an seiner Kleidung. Also versuchte er sich Im Moment auf den Firmenausweis-ARO des Mannes vor ihn zu fokussieren, der diesen als Moses J. Rubinstein, obersten Abteilungsleiter und Chef der F&E-Abteilung der Genom Arkologie bestätigte. Das ARO des Sicherheitschefs der Arche zu seiner Rechten kannte er dafür schon in und auswendig.
Christoph Schwarzenbach, der athletische Enddreißiger schien es dafür auch nicht besser als ihm zu ergehen, während Moses zufrieden und ungezwungen durch die Wartungsstrasse des Horror-Kabinetts führte.

Unschlüssig ließ der Division Manager kurz seinen Blick durch das Meer an säulenförmigen Zuchtbottichen schweifen, von denen in jede Himmelsrichtung kein Ende zu erkennen war.
So wie es aussah, durchquerten sie gerade den Bereich für die Nachzucht weiblicher Handelsorgane und Protogliedmassen.
Für ihn sahen hier die weiblichen Spenderklone in den durchsichtigen Bottichen alle gleich aus.
Das einzige, das ein wenig variierte, war ihre Körpergröße, sowie die Größe ihrer Brüste und Füße. Wobei dieser Eindruck wohl deswegen entstand, weil aus hygienischen Gründen die Nährflüssigkeit in der die Körper trieben mit einem Mittel angereichert war, dass proaktiv jegliche Körperbehaarung auflöste.
Jedes Mal, wenn er hier unten gewesen war, wusste er wieso er kahlköpfige Frauen unattraktiv fand…
Aber da der weltweite Handel mit den hier gezogenen Organen immer noch eine der lukrativsten Einkommensquellen Genoms war, galt es, ein besonderes Auge hierauf zu halten. Er kam zwar äußerst ungern hier herunter, aber er war stets auf dem Laufenden.

Verwirrt blieb Mathis vor einem Bottich stehen.
Es schien, als wuchsen hier zwei faszinierende Blumen aus dem Unterleib des in der Nährflüssigkeit treibenden Körpers.
„Was ist das denn?"
Moses vor ihm blieb kurz stehen und zuckte mit den Schultern. „Bei dieser Probe verlief die Entwicklung der Ovaren, die Eierstöcke, leider achronal!"
Mathis schauderte es „Sollten solche Missgeburten nicht entsorgt werden?"
Zu seiner Überraschung schüttelte der Wissenschaftler entschlossen den Kopf. „Nein, nicht mehr. Es scheint wahrhaftig, als wäre die astrale Resorption hier unten hervorragend! Leider hängt diese aber vom zeitlichen Faktor ab, den diese Körper der astralen Umgebung ausgesetzt sind. Deswegen lassen wir solche Fehlentwicklungen bis zu ihrem natürlichen Tod altern. Wir konnten inzwischen in diesem Zusammenhang bereits präzise nachweisen, dass in der Alpha-Testzone ‚Scheol' die Verseuchung des Astralraumes um eine Zehnerpotenz in der nach oben offenen Crowley-Skala zurückgegangen ist!"
Der Arche-Präsident sah dabei nur verunsichert den stehenden Körper im Bottich an, als die Stimme Christophs das Gespräch unterbrach.
„Sind das Flügel, die da aus der Brust ragen?"
„Oh", wandte sich nun Moses eine Spur zu begeistert einem anderen Bottich zu, vor dem der Sicherheitschef stand und in dem ein bizarrer Körper trieb, „das war wohl eine magoregressive Mutation eines protegierten Zuchtorgans. Das sind die Pulmonis eines Ingentis, die aus dem Thorax eines Sapiens ragen!"
Beide Männer sahen den Wissenschaftler fragend an.
„Wegen der reziproken Wirkung der Astralen Verseuchung sind diesem menschlichen Körper Trolllungen gewachsen!"
Kurz nickten beide Männer, dann wandte sich Mathis Christoph zu. „Gehen wir weiter...
Wieso ist eigentlich dein Schatten nicht hier?"
„Du meinst Marko?"
Der Präsident nickte, während sich der Wissenschaftler mit einem Achselzucken wieder auf den Weg machte.
„Er ist momentan bei der Wartung und dem Upgrading seiner Vollkörper-Cyberware. Er will vorbereitet sein auf das was wir heute noch vor haben!"
„Gut, ich habe deinen Bericht über das portugiesische Konsulat gelesen. Gefällt mir. Ich rechne fest damit, dass ihr sie ohne all zu viel Kollateralschaden ausräuchert. Irgendwelche weitere Neuigkeiten über ihr gestriges Attentat?
Fluhmann hat mir fast den Kopf abgerissen, als ich ihm bestätigen musste, dass die einen High-Level Verband Kampfmagier, wohl dank ihrer diplomatischer Immunität, in die Arche geschmuggelt hatten!"
„Nun, wie ich gestern bereits vermutet hatte, haben unsere ausländischen Gäste ziemlich unter den Wachcrittern gewütet. Wir haben drei Cybertölen verloren, sowie zwei Höllenhunde. Was an Spinnen von ihnen oder dem Shutdown eliminiert wurde kann ich immer noch nicht sagen.
Des weiteren bin ich mir inzwischen ziemlich sicher, dass sie proaktiv dem anderen Runnerteam geholfen haben müssen, um uns in die Irre zu führen!"
„Was ihnen ja auch gelungen ist. Die Bälge sind euch ja schön auf der Nase herumgesprungen. Und wäre Félicien 'Die Mauer' nicht gewesen…"
„Das war nur Glück, " kam es von Christoph Schwarzenbach eine Spur zu heftig, „aber auch er konnte sie nicht stoppen. Das ist nur den Neun gelungen!"
„Aber für was für einen Preis? Vielleicht wäre es uns einiges billiger gekommen, wenn wir sie hätten laufen lassen!"
Der Chef der Sicherheitsabteilung sah Mathis Armin Iselin erbost an, während dieser nur mit den Schultern zuckte. „Ansonsten?"
„Wenigstens gab es definitiv keine Sollposten-Verluste. Und auch unter den Zivilisten gab es keine direkt zuordenbare Verluste."
Er zögerte kurz.
„Wir haben nur noch den Fall eines Polizisten offen, der laut Arztbericht scheinbar nicht all zu schwer verwundet wurde."
„Wer?"
„Nun, ein gewisser Urs Braun, Wachmann des Barfüsser Parterre-Lagers des südlichen Arche-Bezirkes. Ihm haben wir übrigens unsere zwei sehr gesprächigen Informationsquellen zu verdanken. Die eine wurde gestern von ihm an den Beinen und dem Unterkörper angeschossen, der anderen brach er den Unterkiefer."
Christoph grinste schelmisch. "Keine Angst, wir haben unseren portugiesischen Feriengast auch so zum sprechen gebracht. Obwohl ich in seinem Fall eher ‚singen' sagen würde…"
„Wo liegt das Problem?"
„Obwohl der Arzt keine lebensgefährlichen Verletzungen dokumentierte, haben wir demgegenüber den Augenzeugenbericht eines Zwergs, der gesehen haben will, wie Urs Braun von einem der Runner getötet wurde. Und diese Aussage deckt sich seltsamerweise mit den Protokollen der Verhöre!"
„Ein Zwerg behauptet das?"
„Ja… aber ich denke, das kann Warten. Zumindest bis dieser Urs Braun so weit genesen ist, dass ich ihn zu dem Thema persönlich befragen kann."
„Ist zumindest schon etwas bekannt, wie es ihnen gelang an den NEUN vorbei zum Core vor zu dringen und die Arche abzuschießen?"
Mathis Stimme hatte im Moment einen gereizten Unterton.
„Nein. Wir tappen vollkommen im Dunkeln. Und ich hab auch gar keine Ahnung, ob die Neun schon diesbezüglich etwas in Erfahrung gebracht haben."
Der Präsident der Arche blieb abrupt stehen. „Immer noch nicht? Ich steh im Moment förmlich mit dem Rücken zur Wand und Fluhmann persönlich ist deswegen auf meinen Hals aus. Sieht verdammt finster für mich aus, wenn ich ihm nicht so bald wie möglich eine plausible Erklärung präsentiere!
Gott, ich will... ich muss wissen, was da in der Matrix passiert ist. Schließlich geht es um meinen Kopf!"
Er verdrehte förmlich die Augen. „Und das letzte das ich dann noch brauchen kann, sind ein paar Primadonnas, von denen absolut alles abhängt und die mich nicht ernst nehmen wollen. Für was haben wir denn diese überbewerteten Bengel? Ich meine, für was waren sie denn zum Beispiel gestern gut? Sollten sie nicht gerade ein solches Desaster verhindern?"
„Sie haben wenigstens eines der Runner-Teams an der endgültigen Flucht gehindert!"
„Und dabei gewaltigen Kollateralschaden verursacht. Bisher übersteigen die Ausgaben für diese Sicherheitshacker bei weitem ihre demonstrierte Nützlichkeit. Des weiteren habe ich von diesen neun Traumtänzern auch noch keinen Bericht oder irgendwelches Feedback über ihre Jagd nach dem Verursacher des Shutdowns bekommen. Und schließlich fand ich es gestern extrem störend, dass es keiner von ihnen für angebracht hielt, bei den Haupt-Lagebesprechungen zu erscheinen!"
„Sie waren wohl mit dem Aufräumen der Schäden in der Matrix beschäftigt und wohnten deswegen auch aus dieser den Besprechungen bei…"
„Wie lange?"
Christoph presste die Lippen zusammen.
„Ich kann es nicht sagen, ich nehme an, dass sie die betreffenden Protokolle manipuliert haben. Denn es ist weder eruierbar wer von den Neun, noch wie lange dieser oder diese anwesend waren. Aber ich nehme an, dass sie sich Kopien von den Besprechungen gezogen haben werden, das ist absolut nichts Ungewöhnliches für die..."
Dem Präsidenten der Arche stockte der Atem. „Das wagen die? Und das noch in einer solchen Notfallsituation?"
Er schnappte nach Luft. „Das war's! Das hat jetzt das Fass zum überlaufen gebracht!"
Suchend blickte er sich um und ruderte dabei sogar kurz mit den Armen, bis er in der AR auf einen administrativen Kanal wechselte, über den er sofort gültige, übergeordnete Anweisungen für die Arche erlassen konnte. „Bis ich, Mathis Armin Iselin, Präsident der Arche, sowie Division Manager Genom Switzerland, nicht mit Gewissheit weiß, wer für den Shutdown verantwortlich ist, sind den Neun ab sofort jegliche Privilegien gestrichen! Als Ausnahme lasse ich nur Kampf- und Katastrophenfälle gelten!"
Zufrieden klinkte er sich wieder aus dem Kanal heraus, während der Chef der Sicherheitsabteilung zustimmend nickte.
„Es wird wohl mal Zeit, dass sie auch das tun, was man von ihnen erwartet!"
Mathis fühlte nun die Müdigkeit der vergangenen Nacht, in der er kaum geschlafen hatte wie eine tonnenschwere Last auf den Schultern. Ihm brummte immer noch der Kopf von all den Sitzungen, Besprechungen und Unterredungen. Aber vor allem schmerzte ihm, wie er von Samuel Fluhmann, dem CEO der GENOM CORPORATION zusammengestaucht worden war.
Dabei überhörte er praktisch Moses J. Rubinsteins Einwand. „Halten sie das wirklich für eine gute Idee?"
Gerade als Mathis ihn darauf ansprechen wollte, fiel ihm zu seiner linken eine Schlagzeile in der AR auf. Vor allem ein bestimmter Name dabei weckte sein Interesse.
Er wies seine zwei Begleiter kurz auf zu warten und wandte sich dann dem News-Kanal zu, den er mit einer Handgeste vor sich brachte und vergrößerte. Neugierig rief er das soeben eingetroffene News-Trideo von 3 Minuten Online mit dem Titel SECURITAS LÖSUNG FÜR DAS CLOCHARD-PROBLEM ab.
Gezeigt wurde hier wie eine Einheit der Zürcher Garde zwei Securitas- Leute abführten. Während die Stimme aus dem Off von einer brutalen Todesjagd sprach, wurde gleichzeitig das Bild des Opfers eingeblendet. Der Mann kam ihm seltsam vertraut vor. Ohne die Schrift darunter zu lesen wusste er, dass der Name des Landstreichers Sascha Schmezer war.
Nun folgte eine Einblendung einer Überwachungskamera, in der gezeigt wurde, wie dieser Sascha Schmezer von den Securitas-Leuten durch die Baustelle der zukünftigen Zürcher-Arche gejagt wurde. Und gerade als der Sprecher alle Zuschauer ausdrücklich vor dem warnte, was kommen sollte, rannte der Mann durch ein wildes Gestrüpp, blickte schon fast panisch zu seinen Verfolgern zurück und hechtete über einen Vorsprung.
In Zeitlupe war nun zu sehen, wie er genau in die Öffnung eines knapp zehn Meter weiter unten eingeschalteten Industriehäckslers landete.
Während jetzt der Sprecher darauf hinwies, dass die Zürcher Garde sehr wahrscheinlich mehrere Tage brauchen werden würde, bis sie die Leiche komplett ‚geborgen' hätte, waren die ersten Blutfontänen in Nahaufnahme zu sehen.
Mathis seinerseits schaltete belustigt aus.
Er wusste doch, dass dieser alte Tattergreis ein inkompetenter Vollidiot gewesen war. Irgendwie war er froh, dass er ihm gekündigt hatte!
Erleichtert, dass sich zumindest eines seiner Probleme in Luft - oder besser gesagt in einer Fleisch- und Blutwolke - aufgelöst hatte, wandte er sich schließlich dem Wissenschaftler zu. „Und was ist jetzt mit diesem Kätzchen, das gestern mit Magie die Flucht aus den Labors für unsere Versuchstiere gelang und heute fünf deiner Leute auf Trab gehalten hat? Ihr habt es eingesperrt und traut euch nicht heran?"
Christoph nickte. „Ja, eine echte Talis-Katze habe ich noch nie gesehen!"
Zwar wollte der Wissenschaftler noch etwas einwerfen, doch schlussendlich schüttelte er nur die Schultern und ging weiter. „Wie schon am Anfang gesagt. Hier entlang!"
Und die Dinge nehmen ihren Lauf!

Was hier entschieden wird, wird wohl zum Tod einer der Charakteren führen...
:-(



▼ Was bisher geschah: [link]

▲ Fortsetzung: [link]




Dramatis personae


Mathis Armin Iselin
- Präsident der Basler Arkologie (Arche) der Genom Corporation und Division Manager Genom Switzerland
Ein blondhaariger Hüne, der auf die 30 zu geht

Christoph Schwarzenbach
- Chef der Sicherheitsabteilung (Gardisten) der GENOM-Arkologie.
Ein athletischer Enddreißiger

Moses J. Rubinstein
- Wissenschaftler und obersten Abteilungsleiter/Chef der (F&E) Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Genom Arkologie

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:iconkaeptnkarel:
KaeptnKarel Featured By Owner Mar 28, 2012
Aha. Nach dem "The Real Lobezno" das Kapitel editiert hat, war es nun also doch nicht der Tod des lieben Karl Hartmann aka. Datahawk. - Find ich auch besser...

An sonsten hab ich in der editierten Fassung einen Tippfehler gefunden: dort, wo bei der Unterhaltung über die Neun "brachen" steht, sollte wohl eigentlich "brauchen" stehen.
Reply
:iconthereallobezno:
Thereallobezno Featured By Owner Apr 1, 2012  Hobbyist Writer
Danke, habe es korrigiert!
Jup, da hast du recht, wegen unserem Karl Hartmann. Ich hoffe aber, dass die Lösung, die Zürcher Garde für Lobeznos 'Ausräucherung' gefunden hat, passend war...
;-)
Reply
:iconkaeptnkarel:
KaeptnKarel Featured By Owner Mar 25, 2012
Autsch. - Hat es unseren jungen Zürcher Möchtegern-Hacker und KKM-Fanboy erwischt. - Schade eigentlich. - Irgendwie mochte ich den Karl Hartmann ... trotz seines Sexismus, seiner unreifen Art und seines akuten Problems, Trid, SimSinn und Realität auseinander zu halten.
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